Der Marshmallow-Test


(Vimeo Direktmampfen, via The Daily What)

Situation: Das Kind wird in einen Raum geführt, in dem nichts weiter steht, als ein Stuhl und ein Tisch mit einem Teller darauf, auf dem sich ein Marshmallow befindet. Die Begleitperson wird das Kind mit dem Marshmallow für kurze Zeit alleine lassen und ihm anbieten: 1. Es kann den Marshmallow sofort essen. 2. Es kann warten, bis die Begleitperson mit einem zweiten Marshmallow zurückkommt. Den gibt es aber nur dann, wenn der erste Marshmallow bis dahin noch unverzehrt geblieben ist.

Frage: Wird das Kind um eines zweiten Marshmallow willen der Versuchung widerstehen können?

Ergebnis: Irrsinnig köstlich!!!

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6 Kommentare

  1. Das Kind hat hohe Zeitpräferenz. So nennt man es, wenn Menschen das „Jetzt“ viel höher bewerten als das „Später“. So kommt den Kinder der Genuß von einem Marshmallow wichtiger vor als der Genuß von zweien in 15 Minuten.
    Das gleiche Verhalten zeigen Einbrecher, da sie den jetztigen Gewinn höher bewerten als die etwaige zukünftige Strafe. Oder gar die Kreditnehmer, denen die Befriedigung den heutigen Konsumwünsche wichtiger scheint als die künftige Rückzahlung und der Verzicht auf Konsum in ein paar Jahren. Dieses Verhalten nennt man infantil (kindisch). http://de.wikipedia.org/wiki/Infantilismus
    Dieser Infantilismus ist die Triebfeder dieser heutigen Gesellschaft. Von daher vergeht mir regelmässig das Lachen, wenn ich solche Videos sehe.

    Kristof am 14. Sep 2009 @ 11:55 Uhr Reply to this comment
  2. Egal, was dahinter steht: Die Idee und das Video sind klasse! ;)

    Maik am 14. Sep 2009 @ 17:23 Uhr Reply to this comment
  3. So niedlich es ist, der Test hat einen weniger niedlichen Hintergrund:

    »Mischel fand 14 Jahre später in einer Längsschnittstudie heraus, dass diejenigen Kinder, die gierig nach den Marshmallows gegriffen hatten, als junge Erwachsene wenig Selbstbeherrschung hatten und von anderen Menschen als stur auf etwas beharrend, schnell frustriert und neidisch beschrieben wurden. Die „Abwartenden“ konnten mehr Stress vertragen, hatten eine größere soziale Kompetenz und waren selbstbestimmter, vertrauenswürdiger, zuverlässiger und akademisch erfolgreicher.«
    http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Mischel

    Johannes am 14. Sep 2009 @ 22:52 Uhr Reply to this comment
  4. Danke für Eure wertvollen und umfassenden Anmerkungen in psychologisch-wissenschaftlicher Hinsicht.

    Torsten am 14. Sep 2009 @ 23:27 Uhr Reply to this comment
  5. Das beschriebene Phänomen (Kraft für Gratifikationsaufschub, Vorstellung einer besseren Zukunft an Stelle eines relativ kleinen Sofortgewinns) findet sich auch bei der kritisierten Bezahlung hohen Managements. Die schnellen / schnell erreichbaren Quartalszahlen stehen da oft contra nachhaltige Entwicklung. Somit findet sich in dem handwerklich tollen Film ein Grundmechanismus menschlichen Handelns wieder.

    Knut O.E. Pankrath am 15. Sep 2009 @ 11:28 Uhr Reply to this comment
  6. @Kristof: Der Versuch stammt aus den 1960er Jahren. Ich vermute fast, dass sich Mischels Ergebnisse mit den heutigen decken werden. Es geht ja um indivduelle Persönlichkeitsmerkmale und weniger um gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Letztere sind zum Beispiel abhängig von Kreditangeboten und ähnlichem. Das müsste bei Vierjährigen noch keine so große Rolle spielen.

    Patricia am 27. Aug 2010 @ 18:02 Uhr Reply to this comment

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