Abmahnwelle durch hgm-press

Nun hat es auch das Kraftfuttermischwerk erwischt

Vor wenigen Tagen habe ich Euch von der jüngsten Abmahnwelle durch die Bildagentur hgm-press berichtet (von deren Anwalt ich bereits zweimal liebe Post bekommen habe, die von meinem Anwalt entsprechend lieb bearbeitet wird). Diese Welle hat nun leider auch Ronny vom Kraftfuttermischwerk erreicht, der auf seinem Blog schon bereits zuvor als Nichtbetroffener engagiert über das Thema berichtet hat.

Gegenstand der aktuellen Abmahnung ist das Bild eines Schlangenkuchens von einer britischen Künstler. Wie auch bei der jüngsten Abmahnung, die an mich ging, ist der Abmahnung an Ronny als Nachweis nur eine E-Mail-Korrespondenz der mutmaßlichen Rechteinhaber beigefügt:

So wie es aussieht, liegen die Rechte an den Fotos bei der britischen Agentur BNPS, die diese für Deutschland wohl durch die hgm-press vertreten lässt. Das zumindest geht aus einer angehängten Mail hervor, die von Pitcher an BNPS und von dort an hgm-press ging. [...]

Wir haben in einer geschlossenen Facebook-Gruppe mal eine Rechnung aufgemacht, die alle uns bekannten Abmahnungen durch die hgm-press sammelt. In den letzten Wochen kamen da ohne meine jetzt erhaltene 18 Abmahnungen zusammen mit einer geforderten Gesamtsumme von 65.000 EUR zusammen. 65.000 EURO! [...]

Interessant an dieser Sache hier ist, dass Frau Pitcher die Fotos eigens bei Facebook hochgeladen hat, wo jedes der Bilder eine “Teilen”-Funktion hat, welche fleißig genutzt wurde. Somit haben tausende Leute Bilder dieser Torte auf ihrem Facebook-Profil. Wie da die Rechtslage ist und welche Bewegründe Pitcher jetzt hat, gegen Blogs vorzugehen, die diese aus Facebook rausgenommen haben, um bei sich zu bloggen, kann ich nicht sagen. Vielleicht frage ich sie in einer Mail. [...]

Mehr dazu erklärt Ronny in seinem Blog.

René von Nerdcore hat ebenfalls bereits einen bezeichnenden Artikel zu dem aktuellen Abmahnfall veröffentlicht:

[...] Da die Bäckerei North Star Cakes die Bilder selbst auf Facebook gestellt hat (siehe Bild oben) und die massenhafte Verbreitung forcierte, sehe ich hier jede Menge Spielraum für eine Breitseite gegen die „Agentur“, aber das muss ein Anwalt klären. Eine Fair Use-Regelung müsste u.a. auch Fälle einschließen, die explizit zum Zwecke der Verbreitung ins Netz gestellt werden.

Man kann im Fall der „Bildagentur“ (Anführungszeichen deshalb, weil das mittlerweile nicht mehr als ihr zentrales Geschäftsmodell erkennbar ist) mittlerweile nur noch von einem gezielten Großangriff gegen die Netzkultur in Deutschland sprechen. Und damit werden die noch ihren Spaß haben.

Mehr zum Thema: Leben im Abmahnland - Wenn der Briefkasten zu deinem Feind wird

7 Kommentare

  1. Ich würde niemals ich wiederhole NIEMALS ein Foto im Internet veröffentlichen, welches ich nicht persönlich gemacht habe und welches auch anderweitig keine Urheber- oder Persönlichkeitsrechte verletzt.
    Ich verstehe wirklich nicht, warum die Bloggerszene denkt es anders machen zu dürfen. Es ist doch so einfach. Man muss doch in der Lage sein zu erkennen ob das Foto von einem selbst stammt oder nicht. Warum müsst Ihr Blogger immer fremdes Material benutzen? Selber schuld.
    Es ist heute eine Leichtes den Urheber ausfindig zu machen und sich um eine Lizens zu bemühen. Zu denken mann wüßte alles und man darf alles ist fahrlässig und naiv. Auch wenn die Schadenssummen teilweise überzogen sind, ist der Urheber für mich selbstverständlich im Recht. Sorry für die harten aber ehrlichen Worte aber wenn ich so manche Bloggs lese, ärgere ich mich das ich kein fieser Anwalt bin. Es ist der Wahnsin,n wie sich frank und frei sich die Blogger an fremden Bildmaterial bedienen.

    Tom 10.11.2012 19:18 Uhr Auf diesen Kommentar antworten Antworten
  2. @Tom: Wenn der Urheber es dir erlaubt oder die Verbreitung seiner Arbeiten sogar erwünscht, verletzt du niemanden, auch kein Recht. Wenn du generell NIEMALS etwas veröffentlichst, was andere gewerkelt haben (auch wenn diese sich sogar darüber freuen würden), ist das auch dein gutes Recht. Bloß warum liest du dann solche Blogs, die so überaus schäbig Zeugs von anderen Leuten bewerben, und beglückst diese noch obendrein mit deiner moralischen Tiefenweisheit?

  3. @Torsten: Natürlich darfst du Material verbreiten, wenn du den Urheber gefragt hast! Tom geht es ja nur darum, darauf hinzuweisen, dass der Fehler eindeutlich bei der Unachtsamkeit der Blogbetreiber liegt. “Kann schon nicht so schlimm sein, mache ja nur Werbung”. Ist ja im Grunde auch richtig, ist ja auch nicht so schlimm, aber so funktionieren Gesetze nun mal nicht. Du musst beim Inhaber der Rechte nachfragen, bevor du es benutzt, außer es steht explizit dabei, dass es verbreitet werden darf.

    Ich verstehe alle Blogger gut. Sie verdienen mit ihren Seiten meist kein Geld, machen das nur als Hobby und wollen eigentlich auch den Künstlern, deren Arbeiten sie helfen zu verbreiten, nur Gutes. Trotzdem entbehrt euch das leider nicht davon, das Urheberrecht einzuhalten und beim Veröffentlichen von fremdem Material euch um die Rechte dazu zu bemühen. Dass das ärgerlich ist, ist mir klar, aber es ist gut, dass es so ist. Wo sollte man sonst die Grenze ziehen? Ein Radiosender (auch ein Internetsender) darf schließlich auch nicht nach Lust und Laune Lieder spielen ohne bei den Rechteinhabern vorher das OK einzuholen.

    Und ja, selbstverständlich haben sich Anwälte auf genau solche Fälle spezialisiert und verdienen eine beträchtliche Menge Geld durch Abmahnungen der Blogbetreiber. Oft liest man dann von diesen Betreibern Sätze wie: “Warum gleich Abmahnung? Hätte doch auch eine Bitte um Entfernung des Inhalts gereicht.” Ja, das ist schon richtig, aber genauso gut hätte der Betreiber eben auch VOR dem Veröffentlichen, um Erlaubnis fragen können – nein, müssen!

    Ich stimm euch aber zu, dass ich diese Abmahnpraxis nicht ehrenwert finde, vor allem dann nicht, wenn kein wirklicher Schaden entstanden ist.

    Viel Erfolg auf jeden Fall weiterhin! Mir gefallen die gefundenen Links hier immer sehr gut :)

    Tobi 11.11.2012 18:37 Uhr Auf diesen Kommentar antworten Antworten
  4. @Tobi: Ob es Tom “ja nur darum” geht, “darauf hinzuweisen, dass der Fehler eindeutlich bei der Unachtsamkeit der Blogbetreiber liegt” wird Tom wohl selbst am Besten wissen ;).

    Sich damit zu brüsten, dass man “NIEMALS ein Foto im Internet veröffentlichen” würde, “welches ich nicht persönlich gemacht habe” – kann man ja machen. Nur verstehe ich nicht, inwiefern in der aktuellen Diskussion das Verlautbaren einer eigenen Moralnorm hilfreich sein soll, die m. E. generell jegliche Sharing-Kultur in Deutschland tabuisiert?

    Gegenstand der Diskussion ist nicht, ob man moralische Zweifel an einer gewissenlosen und fahrlässigen Copy-&-Paste-Mentalität haben darf, sondern vielmehr inwiefern die aktuell Abmahnenden überhaupt berechtigt sind, abzumahnen, und die Höhe deren Forderung. Alleine darum geht’s. Wikipedia bringt einen Kernpunkt der gegenwärtigen Diskussion sehr gut zum Ausdruck:

    Im Vordergrund stehen vielmehr die nach § 97a Abs. 1 S. 2 UrhG zu erstattenden Kosten der Rechtsverfolgung, insbesondere die Vergütungsansprüche der zugezogenen Rechtsanwälte sowie Lizenzgebühren, die der Rechtsinhaber auf dem regulären Markt gar nicht erzielen könnte.

    So fordern die jüngst Abmahnenden in der Regel pro Bild 200 Euro pro Nutzungsmonat. Die Verdopplung dieser Gebühr aufgrund des vorgeworfenen Lizenzschadens könnte einen weiteren Diskussionsgegenstand wert sein. Dennoch ist bereits ein Fragezeichen an diese 200 Euro zu setzen. Welcher Websitenbetreiber wäre bereit für die Nutzung eines Bildes zur Einbettung in einen alltäglichen Artikel 200 Euro pro Nutzungsmonat (!) auszugeben? Man kann vermuten, dass dies selbst etablierte Online-Medien in den Ruin treiben würde.

    Des Weiteren trägt zur Empörung unter den Bloggern bei, dass die aktuelle Abmahnwelle zeigt, dass die Einholung einer Nutzungserlaubnis beim Urheber dich als Blogger überhaupt nicht vor einer nervenaufreibenden und kostspieligen Abmahnung schützt – wie der Fall Sawaya eindeutig gezeigt hat.

    Sicher wird es auch Blogs geben, die einfach alles und jeden kopieren und dabei noch nicht einmal auf die Quelle verlinken oder hinweisen. Hier ist für jeden klar und eindeutig erkennbar, dass daraus ein Schaden für den Urheber resultiert. Aber diese Blogs sind eindeutig die wenigen schwarze Schafe und v. a. selten erfolgreich. Ich gehe davon aus, dass viele der abgemahnten Blogs in der Regel eine Nutzungserlaubnis einholen. Fakt ist, dass fast alle dieser Blogs in jedem ihrer Artikel, den jeweiligen Urheber des (wohlgemerkt) angepriesenen Werkes namentlich nennen und zu dessen Website verlinken.

    Fakt ist allerdings auch, dass ich trotz konsequenter Einholung einer Nutzungserlaubnis beim Urheber, auch in Zukunft nicht davor gefeit bin, böse Post in meinem Briefkasten befürchten zu müssen. Fakt ist auch, dass nahezu alle dieser Anfragen (wenn sie beantwortet werden) positiv beantwortet werden, da Künstler von noch nicht so bekannten Arbeiten oft für jede Verlinkung und Namensnennung dankbar sind.

    Denn das Zeug, dass die meisten Pop-Kulturblogs bekannt machen wollen, ist etwas Besonderes aber meist noch nicht so Bekanntes, dass die Mainstream-Medien oft erst als etwas Besonders erkennen, WEIL es schon von zahlreichen Blogs zuvor geteilt wurde. Es ist ja keine Seltenheit, dass etwas erst hundertfach durch die Blogs geht, bevor auch die Mainstream-Medien es mit einer Headline würdigen.

  5. Ich muss Tom und Tobi hier beipflichten.
    Obwohl auch ich die hohen Schadensersatzvorderungen teilweise überzogen finde. Die “Abmahnkultur” gäbe es aber nicht ohne die vielen Urheberrechtsverletzungen.
    Das Rumgeheule der Urhebrrechtsverletzer nach Abmahnung ist immer groß und am nervigsten.

    Torsten (ein anderer) 12.11.2012 18:35 Uhr Auf diesen Kommentar antworten Antworten
  6. Hehe, die Blogger sind wie kleine Halbstarke.
    Große Sprüche dann wegrennen und heulen wenn sie doch eingeholt wurden und ne Ordentliche Watsche hinter die Ohren bekommen haben.

    Hoffi 13.11.2012 18:17 Uhr Auf diesen Kommentar antworten Antworten
  7. Wer rennt denn hier weg? Was meine Wenigkeit betrifft, so habe ich *an dieser Stelle* halt alles gesagt, was gesagt werden musste.

    Es gibt immer ein paar wenige Menschen, die zu viel Zeit haben. Und wenn diese in meinem Blog einen geeigneten Hort zum Rumtrollen sehen, bitte schön. Aber ihr kommt doch beim Spielen sicher auch ohne mich klar ;)

    Viel Spaß hier noch :-* (Und danke für den Traffic.)

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